|
« eine Seite zurück
Ein ehemaliger Neonazi berichtet
Unsere Politiklehrerin Frau Ahlers-Görlach erzählte uns, dass ein Fernsehteam
des ZDF unsere Unterrichtsstunde filmen würde. Es würde um das Thema Rechtsextremismus
gehen und uns würde ein Aussteiger der rechten Szene seine Erlebnisse erzählen.
Alle Schüler meiner Klasse waren sehr aufgeregt, als wir das Kamerateam sahen.
Der Regisseur erzählte uns erst einmal einige formale Sachen, z.B sollten wir,
wenn wir Fragen an Timo hätten, 20 Sekunden warten, bevor wir unsere Frage stellen,
damit die Kamera für uns eingerichtet werden könnte.

Timo
Anand (23 Jahre), ein ehemaliges Mitglied der rechtsextremen Szene und
ehemaliger Schüler unserer Schule, erzählte, dass der Einstieg in die rechte
Szene ganz unbewusst kam. Es fing an mit Liedern der "Böhsen Onkelz", die auch
seine Freunde hörten. Da war er gerade zwölf Jahre alt.
Als sein Freundeskreis rechts wurde, wurde Timo mitgezogen. Mit der Zeit wurde
diese Gruppe immer größer. Timo betonte, dass die Gruppenzugehörigkeit ihm immer
Stärke und Mut gab. Die ersten Auseinandersetzungen kamen, als er von einigen
Punks auf sein "rechtes" Outfit angesprochen wurde. So kam es dazu, dass er das
erste Mal mit 14 Jahren wegen Körperverletzung vor Gericht stand.
|
Timo fing an, sich fast täglich mit Mitgliedern einer rechtsradikalen Gruppe vom
Frankfurter Platz und vom Madamenweg zu treffen. Er las viele Bücher über den Nationalsozialismus. Das Wissen, das er hierbei erlangte, half ihm, trotz seines
jungen Alters, eine Führungsposition in der Gruppe zu erlangen. Timo und seine
rechten Freunde verprügelten fast jedes Wochenende Leute, auch im Stadion war er
stets dabei.
Auf einer Klassenfahrt nach München besuchten die Schüler auch das KZ Dachau.
Hier bekam seine rechte Einstellung erstmals Risse. |
Während einer Reise nach
Indien, auf der Timo bemerkte, welche Unterschiede zwischen den Kasten bestehen,
geriet sein Weltbild ins Wanken.
Nach nächtelangem Nachdenken beschloss er dann auszusteigen. Dies war kein leichter
Schritt, besonders wegen der Repressalien alter "Kameraden". Doch Timo machte den
Schritt und unterschrieb 2003 seine Ausstiegserklärung. Eine vernünftige Entscheidung.
Timo hat es geschafft. Heute schämt er sich für seine frühere Denkweise. |
Stellungnahmen von SchülerInnen:
|
Ich fand diese Gesprächsstunde wertvoll. Sie hat gezeigt, dass sich jeder für
Politik interessieren und engagieren sollte, auch um Parteien wie der NPD keine
Chance zu geben. Aufklärung über solche Themen ist wichtig.
Das Filmen durch das Team vom ZDF fand ich zunächst etwas fremd und unangenehm
war, doch bald gewöhnte man sich an die Kameras.
Ungewöhnlich fand ich auch, dass Timo so gebildet ist. Dies hatte ich nicht erwartet.
Die Möglichkeit mit einem ehemaligen Betroffenen und einem Ausstiegshelfer zu
sprechen, fand ich interessant und eine gute Alternative zum stumpfen Lernen nach
dem Schulbuch.
Sarah Brücke
|
Während seiner Zeit in der Nazi-Szene hatte Timo den
Kontakt zu seinem Vater
ganz abgebrochen. Das hat mich am meisten betroffen gemacht, weil es für mich
kaum vorstellbar wäre, keine Verbindung mehr zu einem Elternteil zu haben.
Außerdem finde ich es erschreckend, dass Timo auch heute, nach 5 Jahren, immer
noch von seiner "alten Gruppe" terrorisiert wird. Seinen Ausstieg aus der
rechtsextremen Szene hat Timo alleine ohne professionelle Hilfe geschafft, das
finde ich sehr beeindruckend.
Ich fand das Gespräch mit Timo sehr gut, denn ich habe genau erfahren, wie er in
die rechte Szene gelangte und wie er den Ausstieg bewältigte.
|
|
Besonders gefällt mir, dass er anderen Jugendlichen bei ihrem Ausstieg behilflich
ist. Ich finde es klasse, dass er in dem Gespräch offen über sein früheres Leben
gesprochen hat. Es war natürlich auch sehr spannend, dass unsere Unterrichtsstunde
von einem Kamerateam aufgenommen wurde.
Lars Zimmermann
|
|
Ich fand den Besuch von Timo interessant. Es war gut,
einmal etwas aus der Sicht eines "Insiders" zu hören. Man erhielt Informationen,
die ein Außenstehender nicht wissen kann. Auch die Offenheit und Gelassenheit,
mit der Timo von diesem Abschnitt seines Lebens erzählte, hat mich sehr erstaunt.
Er machte den Eindruck, dass er mit seiner nicht sehr schönen Vergangenheit
abgeschlossen habe.
Franziska Gellert
|
|
Für mich ist es unvorstellbar, dass Timo verfolgt und zusammengeschlagen wurde
wegen seines Ausstiegs. Ich hätte nicht gedacht, dass der Ausstieg aus der
rechten Szene mit so vielen Problemen verbunden ist. Diese "Kameradschaft" ist
fast wie eine Sekte, man kommt schnell hinein, aber schwer heraus. Ich bewundere
deshalb Timos Mut, dass er ausgestiegen ist und dies auch ganz alleine schaffte.
Außerdem tritt er oft in der Öffentlichkeit auf und kann damit sein Leben
gefährden.
Seine Erzählungen waren sehr interessant, sie haben mir klargemacht, wie gefährlich
die rechte Szene ist und dass Rechtsextremismus überall herrscht, auch bei uns...
Malin Rust
|
|
|
Ich fand den Besuch von Timo sehr interessant und fesselnd, so dass man die
Anwesenheit des Fernsehteams leicht vergessen hat. Timos Ausführungen waren
aufklärend und zeigen einem erst, wie schwer man aus dieser Szene aussteigen kann.
Ich fand es auch interessant, einen Einblick in Timos Leben zu erhalten.
Besonders aufregend war die Stunde natürlich deshalb, weil sie von einem Kamerateam
aufgezeichnet wurde. Timos Erläuterungen haben mir gezeigt, dass ich auf keinen Fall in
diese Szene gelangen will. Die Stunde hat mir viel Spaß gemacht.
Lennart Land
|
Ich finde, dass der Besuch von Timo sehr informativ war. Als er davon berichtet,
dass er nun 5 Jahre nach seinem Ausstieg immer noch bedroht wird, ihm Autofenster
sowie Wohnungsfenster eingeschlagen werden, war ich sehr betroffen. Das zeigt mir,
wie hoch die Gewaltbereitschaft gegenüber einem "Kameraden" ist, der den Ausstieg
hinter sich hat. Ich finde es sehr mutig von Timo, dass er den Ausstieg durchgezogen
hat, trotz des Verlustes von Freunden, trotz Drohungen und Gewalt. Die Zeit nach
dem Ausstieg stelle ich mir sehr hart vor und sie ist auch mit viel Angst verbunden,
deshalb beeindruckt mich Timos Verhalten sehr. Durch den Besuch von Timo ist mir
klargeworden, wie es in der rechten Szene überhaupt abläuft und mit wie viel
Gewalt diese verbunden ist. Ich respektiere Timo, weil er ausgestiegen ist. Denn
so mutig ist nicht jeder. Nela Pinkepank
|
|
|
Ich fand es erschreckend zu hören, dass bereits Kinder
von 12 bzw. 13 Jahren
in die rechte Szene rutschen. Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass die
Musik dabei eine große Rolle spielt. Die "Kameradschaft" der Nazis stärkt das
Selbstvertrauen der neuen Mitglieder, so werden aus Mitläufern Täter. Auch dass
Timos Vater Inder war, war sehr interessant. Timo distanzierte sich immer mehr
von seinem Vater, doch sein Vater glaubte immer, dass Timo wieder auf den
richtigen Weg kommt.
Ich fand das Interview mit Timo sehr interessant, aber auch erschreckend, weil
Timo noch Jahre nach seinem Ausstieg immer noch verfolgt wird. Seine Geschichte
war sehr interessant. Ich würde mich freuen, wenn Timo uns noch einmal besuchen
würde. Tim Schreier
|
Ich fand die Unterrichtsstunde mit Timo sehr informativ. Man hat viel über
die rechtsextreme Szene erfahren. Jetzt weiß ich noch mehr, wie gefährlich sie
doch ist. Ich denke, durch Timos Vorträge werden Jugendliche auch zurückgehalten,
in die rechte Szene abzudriften.
Trotz seines lange zurückliegenden Ausstiegs erhält Timo noch heute Drohungen
und muss sich vor gewalttätigen Angriffen schützen. Es war schwer für ihn, aus
der Szene herauszukommen, und dieser Schritt zeigt auch großen Mut. Bis er nicht
mehr als Rechtsextremer angesehen wurde, verging ein Jahr. Doch noch heute muss
er sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Ich habe sehr großen Respekt
vor Timo. Sein Ausstieg zeigt Größe.
Lisa Schröter |
|
|