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Der Dramaturg Harald Wolff im Gespräch

v.l. Melissa Matern, Michael Pape, Harald Wolff
Melissa Matern und Michael Pape im Gespräch mit Harald Wolff


Die SchülerInnen der Klasse 10a führten ein Gespräch mit Harald Wolff, dem Dramaturgen der Dreigroschenoper. Es war informativ und spannend zu hören, was sich hinter den Kulissen abspielt. Wolff gehört der Schauspiel-Dramaturgie des Braunschweiger Staatstheater an. Dort ist er verantwortlich für die Stückauswahl, die Besetzung und die Auswahl des Regisseurs, den er auch bei der Probenarbeit berät. Er sagt, dass seine Aufgaben mit denen eines Filmproduzenten zu vergleichen seien, der das Stück kritisch begleitet und eingreift, wenn etwas schief läuft.

Brecht - ein Autor für Umbruchzeiten

Die Dreigroschenoper wurde in Braunschweig - wieder - auf die Bühne gebracht. Das von Brecht geschriebene Stück ist weltweit einer der größten Theatererfolge und es mache Spaß, es zu inszenieren. Brecht sei ein Autor für Umbruchzeiten. Zwar entstand die Dreigroschenoper 1928, doch spreche kein Theaterstück die aktuelle Wirtschaftskrise brillanter an als die Dreigroschenoper, betont Harald Wolff.

Weiter sagt er, dass die Dreigroschenoper von Brecht "zusammengezimmert" wurde. 1928, als das Theater am Schiffbauerdamm in Berlin wiedereröffnet werden sollte, brauchte man dringend ein Stück. Brecht hatte noch viele Lieder im Schrank, z. B. den Kanonensong oder das Lied der Seeräuber-Jenny, die er - polemisch gesprochen - nur aneinanderreihte und mit einfachen und kurzen Szenenübergängen versah. Daraus wurde einer der größten Theatererfolge, nicht zuletzt auch aufgrund der Musik von Kurt Weill.

Modernisierung der Dreigroschenoper

Während der Braunschweiger Aufführung taucht immer wieder eine in Schwarz gekleidete Balletttänzerin auf der Bühne auf. Wolff sagt, dass ihre Rolle einige Interpretationsmöglichkeiten bietet. Sie soll für Unschuld und Tod stehen. Auch werde sie als Todesengel bezeichnet. Sie könnte aber auch ein von Mackie Messer gezeugtes Kind sein.

Auf Mackie Messers Requisiten wurde verzichtet, weil sich niemand in unserer Zeit mit einer Person identifizieren könne, die Glaceehandschuhe und Gamaschen trägt. Macheath könnte mit diesen Merkmalen keinen Verbrecher der heutigen Zeit darstellen.

Die Texttafeln, auf denen Brecht zu Beginn jeder Szene in wenigen Worten das Wichtigste der Handlung zusammengefasst hat, finden sich nicht in der aktuellen Inszenierung, weil dies heutzutage nicht mehr besonders originell sei. Der Zuschauer sollte durch den Verfremdungseffekt zu einer kritischen Haltung gelangen. Zu Brechts Zeiten sei das von ihm konzipierte epische Theater eine Sensation gewesen.

Harald Wolff reagiert lachend und leicht spöttisch auf die Frage, warum so viele Sexszenen in die aktuelle Inszenierung eingebaut wurden. Das ganze Drama sei auch durch das Thema Sex bestimmt, entgegnet er.

Zum Fehlen des von Brecht vorgesehenen Happy Ends merkt der Dramaturg an, man müsse sich immer die Frage stellen, wie man die intendierte Wirkung des Stückes heute noch erzielen könne. Allerdings dürfe das Bühnenwerk nicht verändert werden, sogar die Tonhöhe der Lieder müsse eingehalten werden. Das Stück solle durch die unerwarteten Vorgänge am Schluss interessanter und spannender gestaltet werden.

Text: Daniel Bergstedt, Fabienne Bodenburg, Mariano Göttel, Tobias Gural, Cassra Mashoof, Melissa Matern, Kl. 10a, Schulj. 2009/10
Bild: Eva-Maria Ahlers-Görlach



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